Gentlemans start your engines

Welcher junge Motorradfahrer träumt nicht von einer Karriere als Motorradrennfahrer?

Doch zu Anfang der Motorradlehrzeit hat nicht jeder die Kohle dafür, zumal der Erwerb des Führerscheins nicht gerade ein Billiges Vergnügen ist. Dieses gilt besonders in der Jetztzeit, aber auch in den 70 Jahren war das Motorradfahren auch nicht gerade die Billigvariante. Die Verdienste waren auch nicht so üppig, und von den Versicherungsprämien wurde einem regelmäßig schlecht!

So mancher war dann froh überhaupt ein Zweirad zu besitzen, den Tank mit Benzin zu füllen und noch 20 D-Mark übrig hatte für die Kneipe oder die Disco!

Gebannt von den Rennübertragungen die damals noch von den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten übertragen wurden (nicht nur Fußball), wo man gefesselt von den Zweikämpfen von Reinhold Roth, Toni Mang und Spencer & Co vor dem Fernseher saß.

Danach verkroch man sich in die Garage und tüftelte an diversen Rennumbauten an seiner Maschine.

Meistens verschwanden die Umbauideen recht schnell wieder in der Versenkung, da Vernunft und Geldbeutel dagegen sprachen. Ca. 30 Jahre später, die Motorräder sind sicherer (ich meine auch meine Eigenen), die finanztechnische Probleme sind lösbar geworden und man ist abgeklärter!

Dennoch, die Lust zum Schnellfahren ist geblieben, außer man fährt Harley oder Gold Wing und so!!!

 Auf der Straße ist das Schnellfahren nicht gerade zielführend, zumal die Jungs von der staatlichen Rennaufsicht und dem zunehmenden Verkehrsaufkommen die Lust darauf einem recht schnell verderben können.

Mit 48 Jahren auf den Rippen hat er mich aber dann doch noch gepackt: der Virus, und das Rennfieber.

 Eine kleine Anschubhilfe durch H. Eder, ein Laverda  Kumpel aus Regensburg, hatte ich aber doch nötig. Ohne ihn hätte ich mich vielleicht nicht getraut den Einstieg in eine andere Welt des Motoradfahrens zu wagen.

Er überredete mich dazu, beim Twins meets Classic auf dem Spreewald Ring, nahe Berlin, ein  Renntraining mitzufahren. Im Nachhinein eines der besten Ideen überhaupt.

Wer so ein Training noch nie gemacht hat, dem kann ich nur dazu raten, traut Euch! Es ist einfach geil!

Ehrlich gesagt, es braucht schon etwas Überwindung, jeder ist ja nicht gleich gestrickt. Die ersten Meter auf der Piste sind recht ungewohnt für jemanden der sonst nur auf der Straße zugange ist.

 Nach 15 Min auf der Rennstrecke, zurück an der Box, ist man recht geschlaucht.  Nun wird der eine oder andere sagen, äh! nach 15 Min Kreisfahren geschlaucht? Leute, erst probieren dann nachmachen! Kurzum, man endwickelt mit der Zeit ein ganz anderes Fahrgefühl für sein Motorrad. Man tastet sich an Grenzen heran, die man so in dieser Form auf einer öffentlichen Straße niemals ohne Punkteeintrag in Flensburg machen könnte.

Wer sich das nicht zutraut, kann mit Hilfe eines Instruktors sich noch den einen oder anderen Kniff zum besseren Fahren zeigen lassen. Wer dann nach ein paar Trainingswochenenden dann Blut geleckt hat, hat die Möglichkeit bei einem Klassik Rennlauf  einzuschreiben. Bei diesen Veranstaltungen kann jeder der möchte mit einer Rennlizens für das jeweilige Rennen teilnehmen.

Wie zum Beispiel in SPA Belgien. Hier können die Hobbypiloten richtige Rennluft schnuppern. Bei einem großen Klassikrennen zu starten, wo tausende von Zuschauen die Strecke säumen, ist es nochmal eine andere Sache als bei einem Renntraining. Schon die ganze Atmosphäre ist etwas besonderes. Die Freunde vom Laverdaclub Rohrdorf erzählten auch immer wie toll es in Spa Francorcamps ist, und ich dachte mir, na ja vielleicht irgendwann, schau ich mir das an! Ich dachte nicht im Traum daran, dass ich vielleicht selber die Ardennen-Achterbahn umrunden würde.

Alte und neue Rennidole laufen einem über den Weg, in den Boxen wir fieberhaft geschraubt. Der Geruch von Gummi und Benzin liegt in der Luft. Durch die Boxengasse dröhnen die Motoren die auf Temperatur gebracht werden. Und dann das warten auf den eigenen Start!

Man schaut auf die Uhr, reinigt nochmal sein Visier, zieht sich die Handschuhe über, die Muskeln werden noch mal gedehnt und startet den Motor. Die Boxengasse wird geöffnet, die Fahrer rollen mit ihren Maschinen an den Vorstart und warten das die Ampel auf Grün springt.

Jetzt fahren alle die Einlaufrunde in die Startaufstellung, jeder sucht sich seine Platzierung und wird von den Marchals auf seine Position eingewiesen. Die Strecke wird geöffnet und alle fahren los, einmal um die Stecke, dann wieder in die Startpositionen.

Wenn alle an ihrem Platz stehen springt die Ampel auf Rot, ab jetzt gilt es! Kupplung ziehen Gang rein Drehzahl so erhöhen das der Motor beim Start nicht abstirbt.

Alle starren gebannt auf die Ampel! 1. Sekunde 2. Sekunde die Ampel springt auf Grün und los!

Erster Gang der Motor heult auf , zweiter dritter Gang, ein zwei Fahrer kann man beim Start überholen, vierter Gang. Die erste Kurve nähert sich, Bremspunkt suchen, ein zwei Gänge runterschalten und hart anbremsen, Maschine umlegen. Den Scheitelpunkt richtig erwischen und durchstarten.

Die Startfase ist überwunden, der Motor hört sich gut an, und jeder versucht seine Idealline zufahren.

 Es Beginnen die Positionskämpfe, man testet sein Können aus, versucht den Gegner auszubremsen, eine bessere Line zufahren. Manchmal gelingt es, manchmal auch nicht. Wichtig dabei ist das Gleichgewicht von Ehrgeitz und Spass zu finden. Wenn zum Schluss alle einen Riesenspaß da bei gehabt haben. Und wenn dann nach dem Abwinken durch die Schwarz/ Weiß karrierte Flagge, sich zwei Fahrer die Hände schütteln und auf die Schulter klopfen, die noch vor Sekunden um jeden Zentimeter Asphalt gerungen haben, dann weiß man, so ein Rennwochenende ist einfach toll!

Das sind Erlebnisse die sollte man nicht missen!

Ein Nebeneffekt der ganzen Rennerei Geschichte ist: Man fährt auf der Straße gelassener, und entspannter durch die Landschaft. Mir geht es auf jeden Fall so.

Und wenn es mal etwas eng wird, beherscht man manche Situation besser und mit kühlerem Kopf.

Zu guter Letzt, noch ein paar Worte zu den Kosten bei dem Vergnügen.

Bei so einer Rennveranstaltung sollte man gut 500,- einplanen. Dazu kommt noch Verpflegung Reisekosten und Sprit für das Rennmoppet.

Auch die Laufenden Kosten, wie Reifen Öl und Ersatzteile sollten mit Berücksichtigt werden.

Ein gutes Motorrad versteht sich von selbst. Man kann auch mit einem normalen Straßenmotorrad teilnehmen. Kleine Dinge sollten aber vorher gemacht werden. Es sollte auf Ölverlust geachtet werden, sowie alle Glasflächen abgeklebt werden. Auch der Haupt und Seitenständer entfernt oder gesichert werden.

Helm, Stiefel und Lederkombi plus gute Handschuhe verstehen sich von selbst.

Hier noch ein paar interessante Links zu Veranstaltern:

Built not Bought/ Twins meets Classic info@kurvenraus.com

Oldtimer GP Schwanenstadt Östrreich www.msv-schwanensadt.at

IG-Formel Classic www.igfc.at

Also Freunde der Norditalienischen Motorrad Schmiede Laverda

Gebt euch einen Ruck und traut euch auf die Piste.

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